Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Newsletter abonnieren

Veranstaltungen


"Wohin führt die Vermessung unserer Kinder"

Mi. 21. März 2018, St. Gallen

mehr dazu

Am 4. März 2018: Ja zur Mitbestimmungsinitiative «Lehrplan vors Volk»

Die Lehrplan-Jünger kriegen kalte Füsse

Zürcher Bote vom 11.9.2015

Tumasch Mischol, Vizepräsident SVP Bezirk Meilen, Hombrechtikon

Die Lehrplan-Jünger kriegen kalte Füsse Der Tages-Anzeiger widmete vor einigen Tagen eine ganze Seite der kantonalen Initiative «Lehrplan vors Volk». Allerdings erfährt der Leser wenig bis gar nichts über das eigentliche Anliegen. Vielmehr geht es dem Blatt ganz offensichtlich darum, die Initianten in zwielichtiges Licht zu rücken.

Seit Ende Mai 2015 läuft die Unterschriftensammlung für die Kantonale Volksinitiative «Lehrplan vors Volk». Mit dem Anliegen rennen die Initianten offene Türen ein. Im Gespräch mit den Leuten auf der Strasse ist eine grosse Unsicherheit und Unzufriedenheit in Bezug auf das Bildungssystem spürbar, Schüler sind überfordert, viele Lehrer Burnout-gefährdet. Die Situation wird mit Einführung des Lehrplans 21 nur verschärft.

Grundlage des Übels ist HarmoS, die interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule. Entgegen der Meinung der SVP hat der Kanton Zürich am 30. November 2008 den Beitritt zu diesem Konkordat beschlossen. Obschon sieben Kantone HarmoS abgelehnt haben, hat die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz D-EDK einen gesamtschweizerischen Lehrplan stark forciert. Hinter verschlossenen Türen haben 200 Fachleute während acht Jahren über dem Lehrplan 21 gebrütet. Entstanden ist dabei ein über 450-seitiges Bürokratiemonster.

Künftig sollen Schüler nicht mehr Wissen bunkern, sondern lernen, wie mit verfügbarem Wissen umgegangen werden kann. Das Zauberwort heisst dabei «Kompetenzen». Der Lehrplan 21 beinhaltet keine konkreten Bildungsinhalte mehr, dafür aber 4000 Kompetenzen. Einige Müsterchen solcher Kompetenzen:
- Schüler können Gefühle wahrnehmen und angemessen ausdrücken.
- Schüler können sich wichtige Inhalte aus einem Gespräch merken.
- Schüler können sich darauf einlassen, immer wieder neue Bilderbü­cher, Hörbücher, Hörspiele, Filme anschauen, zu lesen, zu hören und darüber zu sprechen.
- Schüler können ihr Sprech-, Präsentations- und Gesprächsverhalten reflektieren.

Die Bildungsdirektion arbeitet derzeit intensiv an der Umsetzung des Lehrplans 21 für den Kanton Zürich, der auf das Schuljahr 2017/2018 eingeführt werden soll. In einem Interview vom Februar 2015 äussert sich der Chef des Volksschulamts dahin gehend, dass der Lehrplan 21 weitestgehend übernommen wird, dass einige neue Lehrplan-taugliche Lehrmittel bereits heute schon in Gebrauch sind, weitere derzeit entwickelt werden und dass der neue Lehrplan in Teilen bereits dem heutigen Zustand entspricht. Es ist zu befürchten, dass verschiedene kontrovers diskutierte Problemstellungen im Bildungssystem zementiert werden.

Gegensteuer geben, Initiative unterzeichnen

Zentral ist die Frage, wer im Kanton Zürich über den Lehrplan entscheidet. Der Lehrplan wird durch den Bildungsrat zuhanden des Regierungsrats beschlossen. Der Schlussentscheid liegt beim Regierungsrat. Der Bildungsrat ist wohl ein vom Kantonsrat gewähltes interparteiliches Gremium, aber ein Instrument der Exekutive, welches von der Bildungsdirektorin präsidiert wird. Die Initiative verlangt nun, dass der Entscheid über diese wichtige Weichenstellung in der Bildung bei der Legislative liegt. In erster Linie soll der Kantonsrat entscheiden können. Dieser Beschluss soll dem fakultativen Referendum unterliegen. Um mehr geht es bei der kantonalen Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» nicht.

Damit über den Inhalt des Lehrplans diskutiert werden kann, müssen erst die erforderlichen Unterschriften zusammenkommen und dann die Initiative bei einer Volksabstimmung angenommen werden. Die Lehrplan-Jünger haben aber kalte Füsse gekriegt und wollen das Anliegen ganz offensichtlich im Keim ersticken.

Der erwähnte Artikel des Tages-Anzeigers ist nichts anderes als billiger Kampagnen-Journalismus. Die beiden Journalisten versuchten das Initiativkomitee in das Umfeld des längst aufgelösten Vereins für psychologische Menschenkenntnisse VPM zu ziehen. Ziel dabei ist ein Angriff auf die Reputation des Komitees. Ob jemand früher einmal Mitglied des VPM war oder nicht, ist aber bei der Frage, wer über den Lehrplan entscheiden soll, schlicht irrelevant. Wenn die Argumente fehlen, wird von der Sache abgelenkt und das Mittel der persönlichen Diffamierung eingesetzt.

In unserem Land ist es so, dass der Bürger sagt, worüber er entscheiden will und wo er eine Entscheidungskompetenz abgeben will. Beim Lehrplan, einem zentralen Instrument in unserer Volksschule, scheint es mir legitim, dass die Legislative das letzte Wort hat. Auch die Bildung muss Essenz einer sachlichen demokratischen Diskussion sein. Unterschreiben Sie deshalb die kantonale Volksinitiative «Lehrplan vors Volk». 


 vorheriger Eintrag | zurück | nächster Eintrag