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«Streit um Lehrplan 21 erreicht Zürich»

Tages-Anzeiger vom 29.5.2015,

Das Volk soll bei der Umsetzung des umstrittenen Lehrplans mitreden, fordert eine Initiative. Überraschend ist vor allem einer der Urheber.

Die Kritik am Lehrplan 21 wächst. Nun erreicht der Streit Zürich. Die am Donnerstag lancierte kantonale Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» fordert mehr Mitspracherechte bei der Umsetzung des umstrittenen Lehrplans. Der Zürcher Kantonsrat und das Stimmvolk sollen mitentscheiden können, wie Schulkinder zukünftig unterrichtet werden.

Bislang sorgt in Zürich der Bildungsrat für die Umsetzung des Lehrplans 21 im Kanton. Vorgelegt wird ihm das 470-seitige Werk von der Deutschschweizer Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (D-EDK) mit Sitz in Bern. Der Inhalt des Lehrplans 21 soll in Zürich so weit wie möglich übernommen werden, geplant ist eine gestaffelte Einführung ab Schuljahr 2017/18.

Auch Jungfreisinnige kritisieren Lehrplan 21

Dagegen wendet sich Anita Borer. Die SVP-Kantonsrätin ist Vertreterin des Initiativkomitees «Lehrplan vors Volk». Der Kantonsrat hat einen Vorstoss von Borer und EVP- und EDU-Kantonsräten mit denselben Forderungen Ende September klar abgelehnt. Danach hätten sich viele Lehrpersonen, Eltern, Kinderärzte und Unternehmer bei ihr gemeldet und sich kritisch gegenüber dem neuen Lehrplan geäussert, erklärte Borer vor den Medien. «Sie bemängelten insbesondere, dass die Neuerungen, die der Lehrplan 21 mit sich bringt, im stillen Kämmerlein beschlossen wurden.»

Eher unerwartet findet sich im Kreis der Lehrplangegner Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Zürich (JFZH). Er will mit der Initiative die «kantonale Bildungshoheit» schützen und kritisiert die «Übereifrigkeit» der EDK. Weder der Bildungsartikel noch das Schulharmonisierungskonkordat Harmos schrieben denselben Lehrplan für alle Kantone vor, so Silberschmidt. «Wir stimmen heute über Klassengrössen und Mundart ab. Wieso sollen sich Kantonsrat und Bevölkerung nicht zum Lehrplan äussern dürfen?», fragt Silberschmidt rhetorisch. Die Jungfreisinnigen stellen sich hinter die Initiative. Nun verspricht er sich auch von der Mutterpartei Unterstützung.

Keine Unterstützung durch Lehrerverbände

Im Initiativkomitee engagieren sich neben Politikern aus SVP, EDU und EVP auch der Kinderarzt Hannes Geiges und Lehrpersonen wie Maja Bäni, Sekundarlehrerin und Mutter. Sie kritisiert, dass der Lehrplan 21 auf selbstorganisiertes Lernen ausgerichtet sei. So würden die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler geschwächt und der Lernerfolg gefährdet, meint Bäni.

Bei den Lehrerverbänden findet die Initiative jedoch keine Unterstützung. Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, sagt: «Ich bedauere, dass die Grundsatzdiskussion nicht viel früher stattgefunden hat.»

Die Idee der Initiative, das fast 500-seitige Werk im Kantonsrat zu diskutieren, hält sie nicht für zielführend. «Der Bildungsrat ist dafür das geeignete Fachgremium», sagt Lätzsch. Auch Kaspar Vogel, Präsident der Zürcher Sekundarlehrkräfte, stellt sich hinter den Lehrplan 21. «Wir werden die Initiative nicht unterstützen.»

Schweizweite Kritik

Mit ihrer Kritik am Lehrplan 21 sind die Initianten nicht allein. In der Hälfte aller Deutschschweizer Kantone wollen Gegner die Einführung verhindern. Mitte Mai lancierte im Kanton Thurgau ein überparteiliches Komitee die Initiative «Ja zu einer guten Thurgauer Volksschule – ohne Lehrplan 21».

In Aargau und Schwyz sind ebenfalls entsprechende Volksinitiativen zustande gekommen, in Solothurn werden Unterschriften gesammelt. In Schaffhausen und Luzern versuchen Kantonsparlamentarier mit Vorstössen zu erreichen, dass die Kantonsparlamente über die Einführung entscheiden können.


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