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Vernehmlassung Lehrplan des Kantons Zürich

Antwort des Komitees «Lehrplan vors Volk»

Auszug aus der Vernehmlassungsantwort zum neuen Lehrplan, verfasst vom Komitee «Lehrplan vors Volk» (Details können hier nachgelesen werden.)

Frage 1: Allgemeine Bemerkungen zum Lehrplan

Folgende Punkte sind für das Komitee «Lehrplan vors Volk» im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Lehrplans stossend:

Verletzung von staatsrechtlichen Grundsätzen

Beim Lehrplan 21 handelt es sich angesichts seiner Grösse und Anzahl von völlig neu konzipierten Kompetenzzielen um eine der gewichtigsten Schulreformen der vergangenen Jahre. Der Lehrplan 21 will eine andere Schule als es im Volksschulgesetz festgehalten ist und widerspricht verfassungsrechtlichen Grundsätzen. Die Kantone und deren Stimmbür­gerinnen und Stimmbürger sollen bei einem so wichtigen Thema mitbestimmen können. Nebst  der Initiative «Lehrplan vors Volk» ist auch die Initiative «Mehr Qualität – eine Fremdsprache an der Primarschule» zustande gekommen, welche ebenfalls einen Einfluss auf den Lehrplan 21 hat. Über die Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» muss das Stimmvolk deshalb schnellstmöglich befinden können. 

Fragwürdige Kompetenzorientierung

Mit der Fokussierung auf Kompetenzen wird nicht mehr das Vermitteln inhaltlicher Lernziele, sondern das Erwerben messbarer Kompetenzen in den Vordergrund gestellt. Nirgends wird mehr festgehalten, welches Wissen überhaupt wichtig ist. So verbleiben den Schülerinnen und Schülern nur einzelne Fertigkeiten, die ohne inneren Zusammenhang nebeneinander stehen. Es müssen verbindliche, auf ein Schuljahr ausgerichtete Wissensziele für jedes Fach festgehalten werden. Um dieses Wissen zu vermitteln, braucht es Lehrerinnen und Lehrer, welche die Schülerinnen und Schüler anleiten und welche nicht auf einen Coach reduziert werden.

Testen ja – aber nicht so!

Der hohe Detaillierungsgrad bei den vorgegebenen Kompetenzschritten führt zu einer engmaschigen Steuerung und Messung der Lernprozesse. Gegen die gelegentliche Messung von Schülerleistung ist nichts einzuwenden, jedoch muss diese Messbarkeit sinnvoll sein und der tatsächlichen Verbesserung des Schulunterrichts dienen. Bisherige Tests orientieren sich nach OECD-Standards, die nicht auf unser Bildungswesen abgestimmt sind und kaum folgerichtige Aussagen machen können. Letztlich kosten die Tests viel, bewirken eine Gleichschaltung, jedoch keine Verbesserung des Unterrichts.

Engmaschige Steuerung führt zur Entmündigung der Lehrperson

Ein Lehrplan soll die Richtung vorgeben, einen Rahmen setzen und für klare Bedingungen sorgen («Rahmenlehrplan»). Der Lehrplan 21 dagegen mischt sich mit seiner Detailtreue in die inneren Angelegenheiten von Schule und Unterricht ein. Von «Methodenfreiheit» ist nirgends die Rede. Ausdrücklich heisst es hingegen in den Rahmeninformationen zur Konsultation des Lehrplans 21, dieser diene «in erster Linie der Unterrichtsplanung und der Unterrichtssteuerung» (S. 16). Folge der Entmündigung der Lehrkräfte ist eine abnehmende Motivation, damit ein schwächerer Unterrichtserfolg und auch eine verstärkte Abkehr vom Lehrerberuf.

Lehrplan 21 erfüllt die berechtigten Forderungen der Lehrbetriebe nach einer genügenden Grundbildung in keiner Weise 

Die Kompetenzorientierung im Lehrplan 21 führt zu einem weiteren Bildungsabbau (Learning to the test, nicht nachhaltiges Lernen auf Kompetenzen hin, „selbstorganisiertes Lernen“ (SOL), bei dem nur die besten Schüler Erfolg haben, usw.). Die Kompetenzen im Lehrplan 21 sind schwammig formuliert, grundlegendes Wissen, das auch für das spätere Berufsleben wichtig ist, wird nicht mehr explizit gefordert. Ein derartiger Qualitätsabbau bei der Bildung kann niemals im Sinne der Schweizer Wirtschaft sein.

Erhebliche Kostenfolgen für die Gemeinden

Letztlich müssen die Gemeinden bzw. die Steuerzahler für die Folgekosten wie Lehrerweiterbildung, Einführung neuer Lehrmittel, Anpassung und Beschaffung von Schulinfrastruktur, usw. aufkommen.

Frage 2: Lektionentafel allgemein

Die Fragen unter diesem Punkt haben wir unter nachfolgender Begründung allesamt mit Nein beantwortet:

Überladene Lektionentafeln

Die Bildungsziele in vielen Fächern sind so umfangreich sind, dass die Lektionentafeln der Mittel- und Oberstufe völlig überladen sind (Fremdsprachen, Einführung Informatik, Ausbau Unterricht Natur und Technik). Der zur Entlastung vorgenommene Abbau des Handarbeitsunterrichts ist in einer Zeit, wo die Kinder zunehmend taktile Defizite aufweisen, der falsche Weg.

Mit Streichungen und Änderungen im Zusammenhang mit der Lektionentafel sind wir nur dann einverstanden, wenn ein öffentlicher Diskurs über den Lehrplan geführt wird und der Kantonsrat bzw. das Volk die Möglichkeit haben, über den Lehrplan abzustimmen. Bestimmungen zur Lektionentafel sollen im Gesetz und nicht in der Verordnung festgehalten werden, damit ein öffentlicher Diskurs möglich ist.

Fragen 3.1 bis 3.7: Detailkritik an den Lektionentafeln

Falscher Weg zur Stärkung des MINT-Bereichs

Für die Stärkung des MINT- Bereichs ist ein besser strukturierter Aufbau des Lernstoffs im Unterricht unerlässlich. Da dies nicht zum Konzept des Lehrplans 21 gehört, wird der überwiegenden Mehrheit der abgehenden Schüler die unentbehrlichen schulischen Grundlagen für MINT-Berufe fehlen.

In der Primarschule ist ein extra in der Lektionentafel aufgeführtes Fach „Medien und Informatik“ unnötig und nicht zielführend. Auch wären die entsprechende Lehrerausbildung und eine genügende Infrastruktur für die Gemeinden unverhältnismässig teuer. Die Lektionen werden dringend für die Grundlagenfächer (z.B. Deutsch, Mathematik) benötigt. Medien, auch IT-Medien, sind in der Volksschule in verschiedenen Fächern als Hilfsmittel einzusetzen.

Zweite Fremdsprache erst auf der Oberstufe

Mit der vorgeschlagenen Verteilung der Lektionen in Englisch und Französisch sind wir nicht einverstanden. Die Primarschule ist bereits jetzt sehr sprachenlastig, dies geht zu Lasten der Grundlagenfächer wie Deutsch und Mathematik. Auf der Primarschulstufe soll deshalb maximal eine Fremdsprache unterrichtet und auf der Sekundarstufe der Unterricht auf eine zweite ausgeweitet werden. 

Zu hohe Lektionenzahl und ungeeignete Verteilung

Mit der vorgeschlagenen Anzahl Lektionen pro Woche sind wir nicht einverstanden. Es sollten weniger Lektionen, dafür mehr Klassenunterricht vorgesehen werden – dies anstatt des Verschwendens von viel Schulzeit mit sog. «selbständigem Lernen».

Der Kindergarten gehört zudem nicht zum Lehrplan der Volksschule, auch nicht zum 1. Zyklus, sondern ist nach dem Willen des Zürcher Volkes als eigenständige Stufe zu behandeln.

Mit der vorgeschlagenen Verteilung der Lektionen in der Primarschule sind wir nicht einverstanden. Textiles und Technisches Gestalten soll auf die Mittelstufe verschoben werden. In der Unterstufe muss genügend Zeit für das Legen der Grundfertigkeiten und das Grundwissen vorhanden sein. Die handwerklichen, musischen und haushaltkundlichen Fächer kommen generell zu kurz.

Einen verpflichtenden Projektunterricht in der 3. Klasse der Sek I unterstützen wir nicht. Der aktuelle Projektunterricht mit einer vorgeschriebenen Methode engt den Unterricht stark ein, weshalb er freiwillig sein sollte. Vielen Jugendlichen bringt ein inhaltsreiches Wahlfach für die Persönlichkeitsentwicklung mehr. 

Fragen 4.1 bis 4.3: Optionen zur vorgeschlagenen Lektionentafel

Die Lektionen für den Fachbereich Religionen, Kulturen, Ethik sollen nicht in den Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft integriert werden.

Ein neues, von den Gemeinden zu finanzierendes Wahlfach zur beruflichen Orientierung im letzten Schuljahr unterstützen wir nicht.

Weitere Rückmeldungen

Keine Einführung des Lehrplans ohne vorherige Volksabstimmung

Da der vorgeschlagene Lehrplan gravierende Mängel aufweist, muss seine Einführung unverzüglich gestoppt werden. Es geht nicht an, dass unsere Kinder flächendeckend als Versuchskaninchen verheizt werden. Zudem sind zwei Initiativen, die den Lehrplan betreffen, zustande gekommen. Es entspräche demokratischer Fairness und haushälterischem Umgang mit den Finanzen, wenn vor der Einführung des Lehrplans das Resultat der Volksabstimmung abgewartet würde.

Offenlegung der finanziellen Auswirkungen und genauere Angaben zu den geplanten Einheitstests

Die zu erwartenden Kosten der Einführung des Lehrplans 21 für die Gemeinden sind offenzulegen. Denn die Gemeinden sind es, die letztlich die Folgekosten tragen müssen.

Die bereits anlaufenden flächendeckenden Einheitstests in den Deutschschweizer Volksschulen sind offenzulegen! Entgegen dem wiederholten Dementi der D-EDK ist ein einheitliches Testsystem seit langem in Vorbereitung.